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Du stellst meine Füße auf weiten Raum – Psalm 23

Gedanken zum Misereor Hungertuch 2021 von Lilian Moreno Sanchez / Sr. Christeta Hess ADJC

Als ich zum ersten Mal das Hungertuch sah, konnte ich zunächst gar keinen Zugang finden, auch der Text schuf mir keine Brücke. Ich erkannte den Psalmvers, aber da war kein Weg zwischen Bild und Text.

Die Erkenntnis, dass es sich um ein Röntgenbild handelte, eine Bearbeitung eines Röntgenbildes eines schwer verletzten menschlichen Fußes, stellte dann die Verbindung her und zwang zur Auseinandersetzung mit dem Bild. Die Verletzung konnte nur willentlich beigebracht worden sein – da wurde jemand unfähig gemacht, weiterzugehen. Der Schmerz wurde fast spürbar. Dann kamen die zusätzlichen Informationen – die Militärdiktatur in Chile, Polizeieinsätze noch 2019, Versuch der Unterdrückung von Demonstrationen. Alles bekannte Vorgänge, noch heute und an mehreren Orten; nur manche sind uns bekannt.

Menschen sind verletzlich.

Und auf weiten Raum gestellt,

aufrecht,

mit Würde,

jede und jeder einzelne.

Nur Solidarität kann helfen, wenn diese Würde verletzt wird. Verteidigung des aufrechten Gangs,

Weitergehen,

Blumen im Leid sehen,

Heilung erleben.

Die Narben bleiben, aber sie müssen nicht mehr schmerzen.

Da kann eine Ahnung von Gold sichtbar werden,

Heilungsblüten,

neue Würde aus dem Zusammenhalt.

Auch wir sind,

auch ich bin verletzlich.

Haben wir es nicht alle schon erfahren?

Vielleicht weniger brutal,

verborgener.

Aber ohne Schmerzen

geht kaum jemand durchs Leben.

Hoffnung kommt aus der Anteilnahme,

dem Helfen,

dem Heilen,

dem Weitergehen.

Gehen wir durch unsere Zeit,

bleiben wir aufrecht,

auch unsere Füße stehen auf weitem Raum,

weil Gott es so will.