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Einige Gedanken zur Pfingstnovene

Wenn wir in der Pfingstnovene wieder die alten Hymnen – „Veni creator spiritus“ oder „Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein“ – singen oder beten, stehen wir in ähnlicher Vorbereitung auf ein hohes Fest wie bei den sogenannten O-Antiphonen an den letzten sieben Tagen vor Weihnachten. Ich habe mir einmal eine Gegenüberstellung der inhaltlichen Schwerpunkte beider „Novenen“ gemacht und bin zu überraschenden Übereinstimmungen gekommen, auch wenn die Reihenfolge wechselt. Es sind ähnliche Schwerpunkte, um die es da geht – für den kommenden Menschensohn wie für den Heiligen Geist. Das ist eigentlich kein Wunder, denn es geht ja um das Geheimnis der Dreifaltigkeit in Gott – ein Gott, wesensgleich, unterschieden in der Weise, wie Gott in dieser „Person“ den Menschen in den jeweiligen Bedürfnissen des irdischen Lebens beisteht, damit das ewige Ziel der Vereinigung des geschaffenen Menschen mit dem unendlichen Gott gelingen kann. Als liebender Schöpfer, als Mutter wie als Vater will Gott alle Menschen zu sich ziehen, alle sollen die ewige Anschauung erreichen, alle sind eingeladen.

Die O-Antiphonen entstanden im kirchlichen Stundengebet aus alttestamentlichen Texten. Den Hymnus „Veni creator spiritus“ dichtete Hrabanus Maurus vor rund 1200 Jahren (Lebensdaten 784–856); er war Benediktiner und Erzbischof von Mainz und wird als Praeceptor Germaniae verehrt. Die ursprüngliche Folge der Gaben des Heiligen Geistes stützt sich auf einen Text bei Jesaja (11,2-3). Hrabanus kehrt die Reihenfolge um, wie es vor ihm schon Augustinus getan hat, weil es so dem Menschen angemessener erschien für den Versuch, mit den Gaben des Heiligen Geistes die eigene Christusnachfolge zu gestalten.

Es ist gewiss nicht zufällig, dass bei beiden Reihungen die Siebenzahl wirkt; es geht um Heiliges, Vollendetes, es führt uns zu Gott, der in sich vollendet und vollkommen ist und uns dazu ruft, ihm gleich zu werden.

Die O-Antiphonen: In der liebenden Fürsorge Gottes stehen die Bedürfnisse des Menschen auf seinem Weg durch die Welt im Mittelpunkt. Jesus soll kommen, um als Emmanuel, als Gott mit uns, bei uns zu sein, damit wir uns nicht verlaufen und das Ziel aus dem Auge verlieren. Deshalb sind die einzelnen Elemente in diesem Heiland, der angekündigt und erwartet wird, hervorgehoben: in wunderschönen, kulturübergreifenden Bildern steht er in den Antiphonen vor uns. Sein Kommen wird wirklich helfen, denn er kommt in Weisheit, seine Weisung ist gut, er selbst wird uns führen. Er ist uns nahe, hat einen irdischen Stammbaum, und wie der ideale König David besitzt er einen Schlüssel, der jedes verschlossene Tor öffnet. Er ist wie die Sonne, eine gerechte und wärmende Sonne, und er hält alles Auseinanderstrebende zusammen, wenn wir uns nur für ihn öffnen. So ist er wirklich der beste Begleiter für uns, immer da, Emmanuel.

Der Hymnus zum Heiligen Geist: Vor unserem Schöpfer können wir nur anbetend, in der Ehrfurcht des Geschöpfs und der liebenden Hinordnung des Geschaffenen stehen. Wenn der von Gott gesandte Tröster kommt, antworten wir mit unserer Frömmigkeit auf seine Ankunft, als Entsprechung der Barmherzigkeit, die Gott uns durch dieses Kommen erweist. Der Geist „macht die Zungen reden“. Dieser Sprachengabe macht sich der Mensch würdig, indem er seinen Verstand schult und sich um den Erwerb von Wissenschaft müht. Wenn unser Leib gebrechlich wird, brauchen wir die Stärke, die von Gott kommt. Schließlich umgeben uns viele Gefahren, von außen wie von innen, so dass nur guter Rat uns helfen kann. Dann folgt die Zusage und gleichzeitig Bitte, dass wir Vater und Sohn besser erkennen, indem wir unseren gottgeschenkten „Intellekt“, den Verstand, nutzen zur Erkenntnis dessen, von dem wir kommen und zu dem wir gehen. Gottes Weisheit können wir dann rühmen, wenn wir besser sehen, wer wir sind und wer Gott ist – dann können wir nur noch loben und lieben.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie aus diesen Überlegungen Freude an Pfingsten gewinnen können.

Sr. Christeta Hess ADJC