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Impuls zum 5. Fastensonntag

5. Fastensonntag

Es ist eine sonderbare Geschichte, die uns an diesem Sonntag vorgelesen wird, aus dem 8. Kapitel des Johannesevangeliums. Ein Kommentar merkt an, dass sie erst in Handschriften des 3. Jahrhunderts erstmals auftaucht, nicht in den frühen Handschriften. Aber nicht nur das ist verwunderlich: Da wird eine Frau des Ehebruchs angeklagt und vor Jesus geschleppt, aber nicht um sie, sondern um Jesus verurteilen zu können.

Ich erinnere mich, dass ich sehr erstaunt war, als ich etwa mit neun oder zehn Jahren diese Geschichte erstmals bewusst aufnahm. Ich weiß, dass ich damals zu meiner Mutter ging und fragte, wieso denn eine Frau allein des Ehebruchs angeklagt sein konnte – Ehebruch geht doch nicht allein. Wo ist der Mann? Männer bringen die Frau zu Jesus, aber die Frau allein. Eine meiner ersten Begegnungen mit männlicher und ungerechter Gewalt gegen Frauen.

Zurück zum Evangelientext. Jesus nimmt die Herausforderung nicht an. Er schweigt, äußert sich nicht zur Bestrafung der Frau, spricht nicht gegen das mosaische Gesetz, aber auch nicht dafür. Er bückt sich und schreibt in den Sand. Eine sehr deutliche Verweigerung. Sie wirkt nicht, die Ankläger geben nicht auf. Dann wird Jesus deutlich: Ehe andere verurteilt werden können, müssen sich die Verurteilenden fragen lassen, ob sie völlig unschuldig sind.

Immerhin ist da dann Einsicht bei den Männern, das ist ja schon etwas mehr als normalerweise. Sie gehen schweigend weg, behalten so einen Rest ihrer Würde.
Dann erst wendet Jesus sich der Frau zu, die noch immer da steht, nicht wegzugehen wagt – vielleicht auch, weil einige der Männer noch in der Nähe sein könnten. Er stellt klar, dass er nicht verurteilen wird. Eine deutliche Ermahnung, aber keine Strafe, keine Abqualifizierung.

Insgesamt eine Geschichte, die in vielen Details zu denken gibt. Und die ermutigen kann.

Sr. Christeta Hess ADJC

Foto: Margret Dieckmann-Nardmann