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Impuls zu Lukas 13, 1–9

3. Fastensonntag, Lesejahr C

Eine Frau wurde vergewaltigt. Die Menschen sagen: „Sie ist selbst schuld. Was geht sie so spät auf die Straße?“

Eine Frau wird immer wieder von ihrem Mann verprügelt. Die Menschen sagen: „Es gibt doch Frauenhäuser.“

Das heutige Evangelium beginnt mit der Reaktion der Menschen auf eine Schreckensnachricht. Sie fragen Jesus, ob die Opfer Sünder sind. Das wäre die einfachste Antwort. So ist es auch heute noch oft. Die Psychologie sagt, es sei eine Schreckensnachricht leichter zu ertragen, wenn man sie irgendwie in ein Weltbild einordnen kann. Wenn die Opfer selbst Schuld sind an ihrer Not, können wir ihr Leid besser ertragen.

Aber wie wäre es, wenn wir Mitleid hätten?

Diese Frage möchte ich Ihnen, lieber Leser, liebe Leserin, überlassen. Wie würde sich unser Denken über die Opfer von Leid und Not ändern, wenn wir schlicht Mitleid haben?

Im heutigen Evangelium fordert Jesus seine Zuhörer und Zuhörerinnen heraus. Er sagt ihnen, dass sie sich nicht beruhigen können. Jedem Menschen kann jedes Unglück zustoßen. Wir alle sind Sünder und Sünderinnen. Und wir sind schwach. Niemand hat ein ganzes Leben unter Kontrolle. Wir können uns gesund ernähren, Joga praktizieren, unseren Glauben mit Gebet, Gottesdienst und Ehrenamt pflegen … und werden trotzdem krank.

Kehrt um!

Das ist die Botschaft der Fastenzeit. Kommt raus auch euren Gewohnheiten, stellt alles in Frage und lasst euch von Jesus ansehen. Jesus ist barmherzig. So hören wir es im letzten Abschnitt des Evangeliums. Der Winzer will dem Feigenbaum noch eine Chance geben, auch wenn er lange keine Frucht gebracht hat.
Kehrt um! Seid barmherzig. Nehmt Maß an Jesus und habt Mitleid miteinander.

Dorothee Janssen, Gemeindereferentin

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