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Laden...

Lebensmittel

von Pfarrer Michael Frevel, Koblenz

Diesen Laden entdeckte ich im Jahr 2013 auf einer Reise nach Berlin. Inmitten dieser sehr lebhaften und unruhigen, in ständiger Bewegung befindlichen Stadt signalisiert die nostalgische Außengestaltung: Hier gibt es einen Ruhepunkt, frische Brötchen und Kuchen vom Bäcker. Handgemacht und lecker.

Wir gestalten unser Leben heutzutage oft eher „Instant“. Nicht nur die Dinge, die wir essen, sind mehr und mehr Fertigprodukte. Auch der Rest unseres Lebens, beruflich wie privat, wird uns mundgerecht serviert: Wir arbeiten oft mit fertigen Programmen und Produktionsabläufen und unsere Freizeit verbringen wir nicht selten auf Festen, Märkten oder Freizeitparks oder auch einfach nur vor dem Fernseher. Die Freizeitindustrie wächst. Unsere Lebensmittel, die für den Körper, aber auch die für den Geist, kommen mehr und mehr vom Band.

Die letzten Wochen und Monate haben uns gezeigt, wie es ist, auf vieles verzichten zu müssen. Sie haben uns viel abverlangt und einiges an Frust und Verzweiflung gebracht. Es waren – und es sind immer noch – schwere Wochen. Aber sie haben eine erstaunliche Fülle an kreativen Lösungen hervorgebracht, wie wir füreinander zum Lebensmittel werden können.

Im Abschnitt aus dem Evangelium nach Johannes, Kapitel 15, 12-13, steht das Gebot: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ – Das heißt in den wenigsten Fällen, für einen anderen zu sterben. Wenn wir dieses Gebot aber ernst nehmen, dann heißt das, miteinander kreativ diese Welt so gestalten, dass alle Menschen dieser Welt, hier bei uns und in den fernsten Ländern, ihr Leben in Würde und Gerechtigkeit leben können. Es geht nicht darum, dass die einen verzichten und die anderen dazugewinnen, es geht darum, dass alle das Leben haben, und zwar das Leben in Fülle, von dem das Evangelium spricht.