Höre, mein Herz,
Gott hat schon begonnen,
seinen Advent in der Welt und in dir zu feiern.

Leise und sanft, so leise, dass man es überhören kann,
hat er die Welt und ihre Zeit schon
an sein Herz genommen,
ja sein eigenes und unbegreifliches Leben
eingesenkt in diese Zeit.

Du hast, mein Herz,
schon die Freude des Advents gewählt.
Sage dir darum mutig gegen deine eigene Unsicherheit:
Es ist Advent des großen Gottes.

Diese Worte des 1984 verstorbenen Jesuiten Karl Rahner berühren mich tief.
Es ist nicht nur unsere Sehnsucht nach Fülle, nach Frieden und Versöhnung, GOTT selbst ist es, der nach uns verlangt. Er selbst ist Sehnsucht. Längst ist uns Alles geschenkt, Alles eröffnet.

GOTT sehnt sich danach, dass wir in eine lebendige Beziehung mit ihm eintreten, ungezwungen und aufgerichtet. Wenn das Evangelium uns zuruft, nicht schläfrig zu leben, sondern wach zu bleiben, ist darin nicht eine Moral verborgen, kein richtendes Wort, kein „Ihr müsst endlich besser werden!“, sondern weil wir auf die Ankunft Gottes warten und wir IHN nie zu klein denken dürfen. Die Begegnung mit IHM wird aufs Schönste überwältigen. ER ist zu uns unterwegs als Liebender und Gütiger.

Er will nicht, dass wir stecken bleiben in einem kleinlichen, engen, um uns kreisenden Denken. „Erhebt Euer Haupt, denn Eure Erlösung ist nahe“, hörten wir in den vergangenen Tagen. Das ist Wachheit, höchste Aufmerksamkeit, weil er leise kommt, sehr leise und sanft. So leise, dass man es überhören kann, hat er die Welt, die Zeit und unsere Gemeinschaft, jede von uns an sein Herz genommen, sein eigenes und unbegreifliches Leben eingesenkt in diese Zeit.

Keine und keiner von uns ist verlassen, keine vergessen.
Keine von uns ist allein, keine verlassen, keine vergessen.
Wir dürfen vertrauen: GOTT stellt sich dem Tod in den Weg.
Alles wird heil. Alles ist hineingeholt in seine Gegenwart.
Alles wird gesunden, alles wird heil.
Du und ich und die ganze Schöpfung.

Sr. M. Scholastika Jurt OP