KOMMT! BRINGT EURE LAST

Weltgebetstag der Frauen am 6. März 2026
Ansprache in Telgte zu Mt 11, 28-30
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„Belastet sein“ – es fällt nicht schwer, bei dieser Redewendung – „belastet sein“ – sofort auf die Ebene der Metaphorik, der Übertragung, zu wechseln: So Vieles belastet uns im alltäglichen Leben: Die Sorge um die Gesundheit lieber Menschen in unserer Nähe, die Wahrnehmung der abnehmenden eigenen Kräfte, die weltpolitische Lage mit all den Kriegen und ihren Auswirkungen auf uns, die selbst gewählten Lebenswege unserer Kinder – all dies und noch viel Weiteres belastet uns – im Sprachbild wird es erfasst: Wir leiden unter Belastungen. Entlastung wünschen wir uns.
Für einen kleinen Moment möchte ich bei der Frage verweilen, in welchen Situationen wir im eigentlichen Sinn, nicht im übertragenen Sinn Lasten tragen: Da gibt es manchmal schwere Einkaufstaschen, die kaum zu heben sind. Mancher Koffer ist schwer und nicht immer gibt es Rolltreppen oder funktionierende Aufzüge. Kinder auf langen Wegen zu tragen, ist nach einiger Zeit eine Herausforderung auch für die Väter. Alte Menschen im Arm zu halten, ist auch nicht immer leicht. Es gibt diese echten Lasten und wir nehmen sie auf uns. Warum? Weil wir einen Sinn darin sehen, etwas erreichen wollen: Für Menschen Essen zubereiten nach Einkäufen; am Ziel der Reise Gaben im Koffer haben; Kinder gerne mitnehmen auf die Wanderung; alte Menschen vor einem Sturz bewahren – das möchten wir. Manche Lasten tragen wir bereitwillig.
So wird es auch den Menschen in Nigeria und in anderen Ländern in Afrika gehen, in denen vor allem Frauen schwere Lasten auf ihren Köpfen tragen, weil die Muskelkraft ihrer Arme nicht so ausgebildet ist wie bei vielen Männern: Brennholz wird am Abend gebraucht, und Frauen sammeln es ein; Feldfrüchte müssen geerntet und nach Hause gebracht werden; ältere Kinder lernen in Afrika sehr früh, ihre jüngeren Brüder und Schwestern zu tragen; dort, wo es keine Krankenwagen gibt, werden Leidende auf Bahren in ein Hospital gebracht – wenn es ein solches in erreichbarer Nähe gibt.
Menschen sind Wesen, die bereit sind, Lasten zu tragen, wenn damit ein guter Sinn verbunden ist. Wenn uns dabei Erleichterung geschenkt wird, sind wir froh, denn manchmal wird es mühsam: Ich freue mich darüber, dass auch heute noch so viele junge Menschen mir helfen, den Koffer in den Zug zu tun; ich bin dankbar, wenn ich Hilfe dabei erfahre, den Rollstuhl in das Auto zu heben. Viele Hände bereiten beim Aufräumen ein schnelles Ende. Wir nehmen einander Lasten ab Tag für Tag – nicht nur im übertragenen Sinn. Einer trage des Anderen Last – ja so sei es!
Und Jesus? Jesus lädt uns alle ein, zu ihm zu kommen. Wir alle sollen kommen, alle, die wir belastet sind und unter Mühsal leiden. Von ihm und seinem Lebensweg sollen wir lernen im Leben. Was sollen wir lernen: Wer anderen Menschen ihre Lasten wegnimmt, wird leichter im eigenen Leben. Wer dient, gewinnt an Lebensfreude. Werden wie er, das ist sein Wunsch von ihm an uns. Jesus verspricht uns, dass wir dann, wenn wir gütig zueinander sind, demütig und sanftmütig – dann werden wir zur Ruhe kommen. Dann werden wir erfahren, dass das Joch, das Tieren auf die Stirn gelegt wird, sanft ist, nicht schmerzt – und die Last leicht zu ziehen ist. Wer daran glaubt, dass Gott in Menschengestalt, Jesus Christus, Gott selbst in Zeit und Geschichte die Mühsal unseres Lebens auf sich genommen hat, findet Motivation zum eigenen Dasein für Andere.
Jesus ist in seinem Leben einen schweren Weg gegangen. Am Ende war er am Ende. Seine Arme konnten nichts mehr tragen; seine Beine habe ihn nicht mehr getragen – zertrümmert wurden sie und dann starb Jesus, weil er sich nicht mehr aufrichten konnte, nicht nochmals Luft holen. Im wörtlichen Sinn konnte der Gekreuzigte nichts mehr tragen – nicht einmal mehr sich selbst auf den eigenen Beinen. Ertragen hat er seinen Tod – friedlich. Sein Vorbild bleibt, seine Verheißung: Wer aus Liebe zueinander andere Menschen trägt, sie erträgt in beständiger Güte und Barmherzigkeit, demjenigen und derjenigen wird das Herz leicht – es findet zur Ruhe, weil die Liebe zueinander eigentlich das ist, was wir einander schenken möchten – immerzu …
So lasst uns nun einen wundersamen Tausch vollziehen: Wir legen unsere schweren Lebenslasten, die Steine in unserem Dasein, in Gottes Hand – und nehmen den gekreuzigten Christus Jesus als Gabe entgegen – als Sinnbild für die Zusage, dass die von ihm uns auferlegte Last leicht ist. Jede Tat der Liebe, der Versöhnungsbereitschaft, des Verzichts auf Gewalt, der Fürsorge für Andere lässt unser Leben leichter werden, weil wir erahnen, dass allein die Liebe uns wahre Freude schenkt.

Den Menschen in Afrika, die alltäglich schwere Lasten zu tragen haben, können wir nicht leibhaftig nahe sein. Wir können ihnen ihre Lebenslasten jedoch erleichtern: indem wir uns ihre Geschichte anhören, sie erzählen lassen, ihnen Aufmerksamkeit schenken. Ein wenig können wir auch dafür sorgen, dass sie sich nicht zu sehr plagen müssen Tag für Tag – unsere Gaben erleichtern ihr Leben.

Lasst uns nun singen – ein Lied – gedichtet für diesen Weltgebetstag 2026 – Jesus ruft: Komm her zu mir!